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Buchvorstellung EISBAU

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Die Eisformer – ein Seminarfinale der HTWK in Schweden

Das was Architektur eminent ist, ist in der Regel ihre Beständigkeit standfest in der Erde verankert zu sein. Doch wenn man den Unterschied zwischen leicht, gar schwebend und schwer, zwischen flüchtiger Immaterialität und erdverbundener Massivität, zwischen Grenzenlosigkeit und Geschlossenem erfahrbar machen will, ist Eis als fester Aggregatzustand des Wassers das geeignetste Material. Das Formen von Eis und Schnee kann die Erkenntnis über Vergänglichkeit und Zufall in sich bergen. Vor diesem Hintergrund wurde am Studiengang Architektur der HTWK Leipzig ein Wintersemester im Wahlpflichtfach Simulationstechnik zum Eisbau gehalten – eine lange Tradition fand eine Fortsetzung.

Zum Finale im Februar bestiegen in einer winterlichen Nacht 35 Bachelor- und Masterstudenten einen gecharterten Reisebus Richtung Norden. 18 Stunden, zwei Fähren, ein Meer und einen Sund später wurde der Nordwesten Schwedens erreicht. Acht Kilometer außerhalb von Säffle, ein Ort abseits der Zivilisation mitten im Wald und was wichtig war, an einem im Winter sicher zugefrorenen See. Die Aufgabe bestand darin, Gebautes über die Symbiose von Kraft und Form zu schaffen, erweitert mit der Eigenschaft und inneren Logik des Materials. Als Prinzip des Entwerfens war das Verflüchtigen, also Schmelzen mit einzubeziehen, ein Prozess des Vergänglichen zu beschleunigen, das Altern im Zeitraffer sicht- und erlebbar zu machen. Dabei galt es die Natur als universalen Lehrmeister zu verstehen, verbunden mit einem spielerischen Trieb zum Experimentieren, aber auch zum Beobachten (1). Es veränderten sich die Sehgewohnheiten.

Heinz Isler ( 1926 – 2009 ) ein schweizer Ingenieur und Pionier experimenteller, physischer Formfindungs-methoden mit gefrorenen Eis,schrieb einmal:

„…und plötzlich stehen die wundervollsten Eisgebilde da in ihrer ganzen Fragilität und Schönheit.“ (2)

Von diesen Formen, die aus schwingenden, gerade noch beweglichen Tropfen bestehen, die über die Verbindung mit den jeweiligen Nachbarn ein tragfähiges Gebilde entstehen ließen, zogen wir Schlüsse auf das Verhalten von Materialien, wie sie Ulrich Müther in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts in seinen Schalen sehr erfolgreich umgesetzt hatte.

Über Facebook machte die Info von den Deutschen auf dem Eis die Runde und lockte zahlreiche Zuschauer und irritierte Angler an diesen entlegenen Ort am See und zur Anschlusspräsentation. Jede der Konstruktionen wurde illuminiert und beschalt, ihre Wirkung sozusagen atmosphärisch als eminenter Bestandteil der Architektur verstärkt. Kalte Füße, vereinzelte Prellungen und verstauchte Gelenke – auch meiner – wurden durch den Stolz über das Erreichte und Erlebte am Ende aufgehoben.

Im Folgenden werden die einzelnen Projekte der Gruppen im Spannungsfeld von Theorie und praktischerUmsetzung mit Konstruktionsgedanken, Beschreibungen und in Bildern wider der Vergänglichkeit deminteressierten Leser präsentiert und dem Dabeigewesenen zur Erinnerung festgehalten.

Verfasser: Dipl.-Ing. Ronald R. Wanderer

(1) „Ganzheitlichkeit des Seins“, in: archithese, Nr. 3.2013 S. 46 , Dr. Toni Kotnik

(2) „In Islers Zuzwiler Garten ist wieder zauberhafte Eiszeit“, in: Der Bund, 142, Nr.294 (1991), S.15.

Dipl.-Ing. Ronald R. Wanderer, Architekt BDA, hat eine Vertretungsprofessur für Gebäudelehre und Bau- planung am Studiengang Architektur der HTWK zu Leipzig inne

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Buchvorstellung KARLIFUTUR

karli_futur_cover_210x210+3mm_Seite_1Uns fällt in Leipzig spontan keine andere Straße mit einem allgemein bekannten Spitznamen ein. Zugegeben, es gibt auch kaum eine mit einem längeren Namen, aber die Karli ist besonders.
An einem warmen Sommerabend gibt es in einigen Abschnitten kaum ein Durchkommen vor flanierenden und konsumierenden Kneipengängern, Radfahrerströmen, Straßenbahnen und posendem und parkendem Blech.
Nach einem Abstimmungsmarathon gibt es jetzt eine Planung für den Innenstadt-nahen Teil der Karli: Neue Kompromisse in der Aufteilung der Straßenbreiten, der Zuteilungen für die einzelnen Nutzergruppen, innovative Haltestellenlayouts usw..
Im Workshop KarliFutur vom 6. bis zum 12. Mai 2013 wollten wir Anderes erreichen. Was wäre, wenn man die Karli neu denkt? Was, wenn man weiter in die Zukunft will und die inzwischen institutionalisierte Angst vor komplexen Großprojekten beiseite legt?
Externer Input kam von Stephan Besier aus Zürich, der europaweit an einer gestalterischen Integration von Stadt- und Straßenbahnlinien arbeitet, von Torben Heinemann, als Abteilungsleiter „Generelle Planung“ im Verkehrs- und Tiefbauamt für Strategien und Konzepte zuständig und von Peter Claussen, der als erster Leiter des BMW-Werkes Leipzig nicht nur ein Denker in Bezug auf alle Formen der Mobilität, sondern auch ein Experte in der Herstellung von Konsens bei großen Planungsaufgaben ist.
Schnell stellte sich heraus, dass die Sache nicht so einfach ist, dass die meisten Gedanken schon gedacht worden sind und dass spätestens die entsprechenden Förderrichtlinien Experimente jeglicher Art verhindern. Vielleicht spielt man ja auch wirklich nicht mit Straßen.
Trotzdem fanden sich schnell Gruppen, die ein Potential in unterschiedlichen und radikalen Lösungsansätzen sahen. Die Ergebnisse einer Woche intensiven Nachdenkens über eine Straße finden sich in diesem Heft.
Dass viel möglich ist, was nach Zahlen, Fakten und Statistiken gar nicht geht, hat im Anschluss an den Workshop die Realität gezeigt:
Die Karli ist gesperrt, die parallel führende August-Bebel-Straße auch, am Reichsgericht reduziert eine dringend benötigte Fußgänger und Radfahrerampel den Verkehrsfluss um fast 50% und – das Chaos ist ausgeblieben. Stattdessen bekommt man auf der vom Durchgangsverkehr befreiten Karli das entspannte Gefühle eines Boulevards und einer Fahrradmagistrale.
Vielleicht geht doch mehr?
Vielleicht geht sogar ein Campus?
Henning Rambow
Ronald Wanderer

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